Man schreibt den Jänner 1962

Maranello, Italien. Ein italienischer Automobilhersteller hält vor Beginn der Motorsportsaison die schon traditionelle Pressekonferenz ab. Ferrari stellt das 250 GTO Modell vor – die Spitze der Entwicklung in der 250 GT Serie in Motorsport-Form. Dennoch ist der Wagen homologiert, also auch als Straßenwagen zugelassen.

Das Triebwerk ist ein V12, der Motorblock mit drei Litern Hubraum aus Aluguss. Eine obenliegende Nockenwelle pro Zylinderreihe, die Leistung wird mit 300 PS angegeben. Verbunden mit einem neuen 5-Gang-Synchrongetriebe mit offenem Schaltschema im Cockpit.

Im März desselben Jahres feiert der Wagen sein Debüt beim 12-Stunden Rennen in Sebring (USA). Mit Phil Hill und Olivier Gendebien am Steuer holt der 250 GTO auf Anhieb den zweiten Rang in der Gesamtwertung. Übrigens hinter einem Ferrari 250 Testa Rossa Rennwagen.

Der 250 GTO siegt in der GT-Wertung und legt damit einen regelrechten Senkrechtstart hin. Den Konkurrenten schwant schon jetzt nichts Gutes und in den kommenden drei Jahren wird sich diese Befürchtung bewahrheiten. Der Wagen gewinnt so ziemlich alles, was es zu seiner Zeit zu gewinnen gibt:

Zu den zahlreichen Erfolgen des 250 GTO zählten Siege in der Tour de France 1963 und 1964; in der GT-Klasse Siege in der Targa Florio 1962, 1963 und 1964; Siege in der Tourist Trophy in Goodwood in den Jahren 1962 und 1963; in der GT-Kategorie Siege in Le Mans 1962 und 1963 sowie bei den 1000 Km auf dem Nürburgring in den Jahren 1963 und 1964.

Alles an diesem Wagen ist auf diesen einen Zweck ausgerichtet: SIEGEN.

Das Engineering ist von Beginn an auf diesen Zweck ausgerichtet. Das Triebwerk ist hoch-performant und äußerst zuverlässig. Es ist die perfekte Maschine für diesen einen Zweck. Und: Diese Maschine funktioniert! Sie liefert Siege am laufenden Band.


V12-Triebwerk des Ferrari 250 GTO. Bildquelle: Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Link

Insgesamt werden “nur” 36 Exemplare hergestellt, der Neupreis liegt 1962 in den USA bei 18.000 US Dollar. Wenn man bedenkt, dass 2013 einer der Rennwagen aus 1963 um 52 Millionen US Dollar (!!!) verkauft wird, kann man durchaus von einer ordentlichen Preissteigerung sprechen (rechnen Sie mal aus, was das für eine jährliche Rendite ergibt…). Leider hab ich keines der 36 Fahrzeuge in meiner Garage stehen…

Die häufigste Frage zu diesem Wagen habe ich hier noch nicht beantwortet:

Wie schnell läuft denn so ein 250 GTO?

Und wissen Sie was, das ist ziemlich unerheblich, denn der Wagen hat gar kein Tachometer!

“Was, gar kein Tachometer und dieses alte Auto wechselt um ein Vermögen den Besitzer?”

Um viele Vermögen, genau gesagt…
Nun, wie kann das sein, dass Ferrari beim Ziel, eine perfekte Maschine zu bauen, auf dieses essentielle Messinstrument verzichtet? Zu wenig Platz im Cockpit? Oder wurde es gar vergessen?

Nein, wurde es nicht. Die Ingenieure haben beschlossen, dass es für den Piloten im Rennen unerheblich ist zu wissen, mit welcher Geschwindigkeit der Wagen gerade unterwegs ist. Diese unwichtige Information würde den Fahrer viel zu sehr von den wirklich essentiellen Aufgaben ablenken. Er sollte besser diese Informationen im Auge behalten, die ihn zum Sieg führen.

Deshalb ist etwa der Drehzahlmesser überdimensional groß ausgefallen! Schließlich ist es unverzichtbar, die Drehzahl im Rennbetrieb genau zu kennen, denn damit kann der Pilot das Triebwerk stets im optimalen Leistungsbereich betreiben. Und dass der Wagen schnell ist, das haben die Ferrari Leute nicht erst auf der Rennstrecke herausgefunden. Der 250 GTO wurde schließlich so berechnet und konstruiert, dass er schnell sein wird! Das Triebwerk bringt die geplante Leistung, das Getriebe ist so abgestimmt, dass diese auch auf die Straße gebracht wird.

Auch der Pilot weiß um seine Fähigkeit, ein Rennauto im Grenzbereich zu bewegen. Denn er hat es immer und immer wieder trainiert. Und er trainiert weiter: Obwohl er – sagen wir “schon ganz gut” Autofahren kann, trainiert er Stundenlang, Tagelang, Wochenlang die unterschiedlichen Szenarien, die er auf der Rennstrecke dann abrufen wird, wenn es erforderlich ist. Er weiß, er kann sich auf sein Können verlassen. Und auf seine Maschine sowieso.

Vor dem Rennen wird nichts dem Zufall überlassen. Alles wird unternommen, damit die Maschine stabil läuft und durchhält. Jedes Detail wird nochmals überprüft und korrekt eingestellt, Verschleißteile werden getauscht. Die Maschine wird einfach perfekt vorbereitet. Jeder weiß, dass das Teil funktionieren und sauschnell sein wird.

Wozu braucht es dann den Blick auf die Tachometer-Nadel? Lenkt nur ab, völlig unsinnig. Zumal die Geschwindigkeit ja auch nur eine Auswirkung von alldem darstellt, was bis zu diesem Zeitpunkt passiert ist.

  • Triebwerk schlecht gewartet: zu wenig Geschwindigkeit
  • Zündkerzen defekt: zu wenig Geschwindigkeit
  • Getriebeübersetzung falsch: zu wenig Geschwindigkeit
  • Schalten bei der falschen Drehzahl: zu wenig Geschwindigkeit
  • Der Pilot ist nicht fit: … Sie wissen schon …

Der Blick auf die falsche Nadel

Deshalb ist die Geschwindigkeit während des Rennens für den Rennfahrer nicht relevant. Er weiß, was für den Sieg nun zu tun ist. Er verzichtet lieber auf diese nacheilende Information.

Wie sieht es bei uns im B2B-Vertrieb diesbezüglich aus? Auf welche Nadel fällt der Blick als Erstes? Es geht immer um den Umsatz. Jahresumsatz, Quartalsumsatz, Monatsumsatz, Produktumsatz, Team-Umsatz…

Ist Umsatz eine Größe, die wir direkt beeinflussen können? Leider nein. Es handelt sich um eine “nacheilende” Messgröße, die uns die Auswirkung von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus der Vergangenheit anzeigt. Eine Umsatz-Zahl, die heute auf dem Report steht, hat ihr Entstehen in der Vergangenheit begründet. Das gilt für eine “schöne” Umsatzzahl gleichermaßen wie für eine nicht so schöne.

Vielleicht können wir uns in diesem Zusammenhang von den Profis aus Maranello aus den 60ern etwas abschauen und den Blick auf eine wirklich relevante Nadel richten: Wir können unsere Vertriebs-Maschine in den optimalen Betriebsmodus bringen und dort halten. Und siegen.

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